Wir freuen uns über eine Rezension der Ausstellung “essipowitsch / hille ° bergen” in der DDN vom 22. Juni 2020.

Identitätssuche in der Zwischenlandschaft

“Seit 2015 kooperieren Essipowitsch und Hille, beide ehemalige Meisterschülerabsolventinnen der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, im Rahmen von Ausstellungs- und Fotobuchprojekten, vorzugsweise im Medium der analogen Schwarzweißfotografie.

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Auf verworfenem, cremefarbenem Barytpapier des Fabrikats Original Wolfen entwickelt Essipowitsch ihre fünfteilige Portraitsequenz einer jungen selbstbewussten Frau. Ihr Blick im Close-up und stärkerer Untersicht erhöht das Modell, lässt es wie eine Skulptur auf organischem Piedestal in minimalem Landschaftsausschnitt erscheinen. In motivischen Details wird die Transitorik eines Moments deutlich, während sich das Modell, nur noch zu einem Drittel im Bild, unserem Fokus entzieht, verfolgen wir gerade noch, wie der Rest eines soeben aufgeworfenen Sandklumpens durch ihre Finger rinnt.

In Hilles Aufnahmen, wie auch in ihrem Selbstportrait, dominiert neben starker Untersicht eine distanzierte Perspektive den Bildvordergrund. Während sich im Bildinnern, nun viel konturierter, jedoch geborgen hinter spitz aufragendem zerklüftetem Gestein des Seeser Sanders, Partien des zierlich-fragilen Körpers der Künstlerin abzeichnen.

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Das Changieren zwischen Distanz und Nähe, Verbergen und Entbergen, wird zum verbindenden Narrativ der Arbeiten beider Künstlerinnen.

Arina Essipowitsch und Dominique Hille bewahren sich eine hochpoetische Bildsprache, obwohl ihre Arbeiten die Tragik der Ortlosigkeit, der Vergangenheit einstiger Großtagebaustätten mit Fragen und Zweifeln der eigenen Generation verhandeln.”

— Katharina Arlt, Dresdner Neueste Nachrichten, Nr. 143 vom 22. Juni 2020